KOSMOS Elektromann 1973 (36. Auflage)

"Schau, was der Elektromann, alles aus sich machen kann ..."

KOSMOS Elektromann 1973 (36. Auflage)

Ungelesener Beitragvon lunar_surfer » 30. Nov 2015, 19:59

Hallo zusammen,

hier der Elektromann aus der 36. Auflage. Die Jahreszahl 1974 ist nur geschätzt. Von 1930 bis 1979 ist mit einer mehrjährigen kriegsbedingten Unterbrechung der Elektromann in 42 Auflagen erschienen, so dass es etwa jährlich eine gegeben haben muss: Wenn 1966 die 27. Auflage herauskam und 1979 die 42., würde für die 36. Auflage das Jahr 1974 gut passen. Etwa da bekam ich auch meinen ersten Kosmos-Kasten, eben diesen Elektromann.
Daher habe ich diesen, den ich vor zwei Jahren erwarb, im Unterschied zu damals sehr pfleglich behandelt. Damals war nach nur einem Jahr die Hälfte der Teile verloren oder kaputt :oops:

Zusatz: Nun konnte ermittelt werden, dass diese Auflage im Jahr 1973 erschienen ist. Der Titel wurde entsprechend geändert.

Hier also der Deckel:

Bild

Da hat es also eine optische Umgestaltung seit 1966 gegeben.

Und hier das Anleitungsbuch:

Bild

Äußerlich ist es identisch mit dem von 1966.
Sehr überrascht war ich beim Vergleich mit den hier gezeigten Seiten des 1966er Buches: Da ist alles bis auf Punkt und Komma das Gleiche! Die optische Modernisierung hat also an den Experimenten und ihrer didaktischen Aufbereitung nichts geändert.

Nur die Teileliste mit der Skizze wurde der neuen Geometrie des Kastens angepasst:

Bild

Und hier der Höhepunkt - der Inhalt:

Bild

Der Kasten wie ich ihn bekam war nicht vollständig, aber vom Material her bestens erhalten. Der rote Kasteneinsatz, vermutlich aus Polystyrol, der bei mechanischer Beanspruchung leicht Risse bekommt, war völlig intakt, auch die Klarsichthülle aus Kunststoff, die über das Ganze gelegt wird und den Fächern im Kasten angepasst ist, so dass in verschlossenem Zustand nichts durcheinander fliegen kann, ist sauber und perfekt erhalten.
Das Anleitungsbuch enthielt noch den vollständigen Ausschneidebogen. Wer einen braucht - ich habe einen hoch aufgelösten Scan.

Messingteile waren teilweise leicht korrodiert, teils durch Benutzung beschädigt, teils noch sauber, aber nicht mehr alle da. Magnet und Eisenkern fehlten. Um den Kasten zu ergänzen, kaufte ich einen zweiten, der zu meinem einigermaßen komplementär war und auch den Bestellschein, die Kosmos-Postkarte und unbenutztes Verbrauchsmaterial enthielt. Die Reste habe ich dann getauscht gegen noch fehlende Teile und den Magneten und Eisenkern dazugekauft.
Insgesamt war ein Jahr später alles da.
Jetzt ist der Kasten mit allen Originalteilen und unbenutztem Verbrauchsmaterial vollständig :D Sogar die roten Verbindungskabel sind noch mit dem originalen Kosmos-Klebeband zusammengebunden. Nicht einmal die abgetrennten aber noch auf den Kabeln sitzenden Endstücke der Isolierung fehlen.
Die Anzahl der Schrauben und Muttern stimmt auch. Leider ist die Folientüte, die sie enthält, aufgerissen - aber immer noch da.

Nur der Magnet war so gut wie unbrauchbar. Er hielt nicht mal das Gewicht des Eisenkerns. Daher habe ich auf seine beiden Enden jeweils ein Stück extrem starken Samarium-Kobalt-Magneten gepackt. Nach ein paar Tagen hatte er wieder beachtliche Kraft. Diese Behandlung wird fortgesetzt bis er zum Einsatz kommt.

Mit dem Museumsstück mache ich keine Versuche, die Material verbrauchen. Auch wenn ich den damals so frustrierenden Motor realisiere, soll dieser Kasten vollständig bleiben. Ich habe also einen weiteren mit nicht so guter Qualität aber allen notwendigen Teilen günstig erstanden und arbeite damit.
Er ist noch auf dem Postweg. So etwa um Weihnachten herum wird dann der Motor fertig sein - wenn er denn diesmal gelingt.

Walther
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Re: KOSMOS Elektromann 1973 (36. Auflage)

Ungelesener Beitragvon JeanLuc7 » 8. Jan 2017, 15:20

Salut Walther,

bin gerade zufällig auf deinen Beitrag und die Bilder gestoßen - der Kasten macht ja wirklich einen prächtigen Eindruck! Ich bekam meinen Elektromann 1975 zu Weihnachten und habe dann ein paar Jahre später noch einmal Einzelteile nachgekauft, weil der daraus baubare Ankermotor ja einige Bauteile verschlingt, die auch anderswo gebraucht werden. Dann ging bei einem Umzug der Magnet verloren, und der Motor lag viele Jahre unbenutzt in einer Metalldose. Vor einigen Wochen fiel er mir wieder in die Hände - zusammen mit der Idee, den Magneten durch flache Neodym-Scheibenmagnete mit demselben Durchmesser zu ersetzen. Die gab es bei ebay für wenig Geld, und 15 davon haben tatsächlich dieselbe Höhe wie der Originalmagnet. Allein - so schnell wie jetzt lief der Motor noch nie; diese Neodymmagneten sind ein gutes Stück stärker als das Original. Falls Du also mit dem Originalmagneten nicht weiterkommen solltest, hilft vielleicht diese Lösung.

Natürlich hat der inzwischen 41 Jahre alte Motor jetzt einen Ehrenplatz in meiner Galerie und darf auch ab und an seine Runden drehen.

Viele Grüße

Frank/JL7

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Re: KOSMOS Elektromann 1973 (36. Auflage)

Ungelesener Beitragvon Georg » 8. Jan 2017, 17:52

Hallo Frank/JL7,
eigentlich sollte der Motor mit stärkerem Feld langsamer
laufen. (Das hängt aber auch von dem ohmschen
Widerstand des Ankers im Verhältnis zur drehzahlbedingten
Ankergegenspannung ab)
Du vergleichst eventuell gegen deine Erinnerung?
Hast du den Eisenkern und die Spule noch?
Dann kannst du es objektiver machen, indem du den
Strom durch die Feldspule veränderst, die Spannung am
Anker aber gleich läßt. (Natürlich als Nebenschlußmotor)
Gruß
Georg
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Re: KOSMOS Elektromann 1973 (36. Auflage)

Ungelesener Beitragvon JeanLuc7 » 11. Jan 2017, 18:28

Salut Georg,

eigentlich sollte der Motor mit stärkerem Feld langsamer laufen.


hm - bist Du Dir da sicher? Die resultierende Kraft des Motors wird ja gemäß Lorentz zu F = Fe x Fb = I*(l x B), es spielen also der fließende Strom und die Stärke des Magnetfeldes eine lineare Rolle, wobei das x das Kreuzprodukt zweier Vektoren bedeutet - Magnet- und elektrisches Feld müssen senkrecht zueinander sein, damit die resultierende Kraft in Drehrichtung maximal wird. Ich habe es gerade noch einmal getestet - ich kann ja einzelne Magneten entfernen. MIt weniger Magneten läuft der Motor langsamer. Er läuft allerdings auch bei wenigen Magneten schon ganz ordentlich rund, was darauf schließen lässt, dass die Reibungsverluste einen begrenzenden Faktor darstellen - schneller geht es irgendwann nicht mehr.

Was aber tatsächlich von Spannung und Gegenspannung abhängt, das ist die Stromaufnahme; sie wird im Leerlauf eines Motors recht klein (am besten Null). Ebenso sinkt das Drehmoment; es ist am stärksten, wenn der Motor sich nicht dreht.

Grüße, Frank
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Re: KOSMOS Elektromann 1973 (36. Auflage)

Ungelesener Beitragvon Georg » 11. Jan 2017, 20:02

Hallo Frank,
zwei Probleme:
- Magnete "stapeln" erhöht die Feldstärke im Grundsatz nicht.
Womit hast du die weggelassenen Magnete ersetzt?
Wenn du Eisenscheiben etwa gleicher Dimension dazwischen
gelegt hast, ist das Feld kaum verändert.
Besser wäre jedenfalls ein Eisenkern und eine Feldspule
für Versuche.
- Das Phänomen der höheren Drehzahl bei reduziertem Feld gilt
im Übrigen nur bei Leerlauf oder fast Leerlauf.
Der Grund ist folgender: Die Ankergegenspannung nimmt bei
schwächerem Feld ab, der Ankerstrom somit zu. Die Drehzahl steigt an,
bis die Ankergegenspannung wieder (fast) gleich der Speisespannung ist.

Das ist gegen die Intuition, deshalb ist mir das auch im Gedächtnis
geblieben, seit ich mal vor Längerem derlei Versuche mit einem
Waschmaschinenmotor machte.
Viele Grüße
Georg
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Re: KOSMOS Elektromann 1973 (36. Auflage)

Ungelesener Beitragvon JeanLuc7 » 12. Jan 2017, 17:26

Salut Georg,

was habe ich gemacht? Ich habe den Stapel aus 15 Neodymagneten aufgeteilt in zwei Stapel à 4 Magnete und diese feldrichtig eingesetzt. Damit haben die beiden Polschuhe nach wie vor die richtige Magnetisierung, aber der Luft"spalt" zwischen den verbleibenden Magneten macht sich schon bemerkbar. Ich habe auch noch versucht, durch "falsch" aufgesetzte Magneten auf der anderen Seite der Polschuhe das Feld weitgehend zu neutralisieren - das klappt auch. Allerdings hat - und das schreibst Du ja auch - das Wegnehmen von Magneten keinen linearen Einfluss auf die Motorgeschwindigkeit.

Ich muss mich wohl noch mal mit dem Thema befassen - damals im Studium hatte ich mich nach einer unterdurchschnittlichen Klausur gegen das Vertiefungsthema "Motoren und Stromrichter" und stattdessen für Nachrichtentechnik entschieden - was, wie es jetzt scheint, eine gute Entscheidung war ;)

Viele Grüße
Frank
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