KOSMOS Radiomann 1938 (3. Auflage)

Motto seit 1934: Vom Gebirg zum Ozean, alles hört der Radiomann

KOSMOS Radiomann 1938 (3. Auflage)

Ungelesener Beitragvon ThomasK » 20. Feb 2014, 21:58

Der in 23. Auflagen erschienene Schülerkasten Kosmos Radiomann wurden in verschiedenen Auflagen hier schon vorgestellt. Im Folgenden möchte ich die 3. Auflage von 1938 vorstellen.

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Bei der dritten Auflage fällt schon das neue Deckelbild auf, die Sütterlinschrift ist verschwunden.Vom Elektromann ist zumindest ein Kasten von 1938 bekannt, der noch das alte Sütterlin-Deckelbild trägt. Es ist daher denkbar, das in jenem Jahr die Umstellung sukzessive erfolgte (je nach Verbrauch der jeweiligen Deckelbilder).

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Die Kastenaufteilung weist keine Unterschiede zu den hier vorgsetellten 1. und 5. Auflage auf. Zum Inhalt ist zu bemerken, dass die Klemmen noch aus Messing waren (noch nicht Zink wie in der 4. Auflage), der Verbindungsdraht jedoch Aluminiumlackdraht ist. Die dem Kasten ursprünglich fehlenden Antennendrähte wurden auf Basis dieser Erkenntnis aus Aluminium nachgefertigt und können daher keine Referenz bilden.
Verbinungsdraht aus Aluminium wurde auch schon in einem Kosmos Elektromann der 8 Auflage 1940 gefunden.

Aus der Anleitung
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Re: KOSMOS Radiomann 1938 (3. Auflage)

Ungelesener Beitragvon Georg » 21. Feb 2014, 10:36

Hallo Thomas,
du bringst mein Weltbild ins Wanken :=)

Bis zur 4. Auflage war der Kastendeckel des Radiomann in Sütterlin bedruckt. Diese Schrift hatte das NS-Regime allerdings 1941 verboten.


schreibt Jürgen in der Vorstellung zum Radiomann 1942, 5. Auflage.
Vom Inhalt scheint sich aber zwischen 1938 bis 1947 außer den
Zinkdruckgussklemmen im Krieg wenig geändert zu haben.
Gruß
Georg
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Re: KOSMOS Radiomann 1938 (3. Auflage)

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 21. Feb 2014, 12:39

Hallo Georg,

mein Weltbild hatte ThomasK schon gestern abend ins Wanken gebracht, als er mich per mail ebenfalls auf die "Ungereimtheit" hinwies. Den entsprechenden Text in der Vorstellung des 1942er Radiomann habe ich jetzt komplett gelöscht. Das "Wissen" entnahm ich seinerzeit ungeprüft den Internetseiten eines profunden Kenners von Wilhelm Fröhlich und seinen Kästen. Hiernach weise der Radiomann-Kastendeckel ab der 5. Auflage kein Sütterlin mehr auf.

Mittlerweile gehört mir auch ein gut erhaltener Radiomann der 4. Auflage * , dessen Kastendeckel auch keine Sütterlin-Schrift mehr aufweist.

JuergenK

edit: Irrtum, es ist kein weiterer Kasten, sondern der bis dato als 5. Auflage deklarierte und im Board vorgestellte Radiomann. Wegen der oben genannten Angaben, die durch die Kastenvorstellung von ThomasK nicht als zwingend gesichert gelten dürften, habe ich ihn nicht mehr als 5. Auflage sondern ab sofort als 4. Auflage geführt.
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Re: KOSMOS Radiomann 1938 (3. Auflage)

Ungelesener Beitragvon Georg » 21. Feb 2014, 12:59

Hallo Jürgen,
wie sehen die Klemmen in der 4ten Auflage aus? Ms oder Zinkdruckguß?
Das mit dem "Verbot" der Sütterlin-Schrift habe ich immer etwas skeptisch
gesehen.
90 % und mehr der Deutschen konnten nur diese Schrift, insofern wäre
ein "Verbot" sehr ungeschickt gewesen. Und "ungeschickt" waren
die damaligen "Herren" nicht, leider Gottes.
Man hat verfügt, daß in den Schulen auf lateinisch unzustellen war, sonst
wahrscheinlich nicht viel mehr.
Ich denke eher, daß Kosmos mit Rücksicht auf den Export in die Schweiz
auf lateinische Schrift umstellte.
Gruß
Georg
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Re: KOSMOS Radiomann 1938 (3. Auflage)

Ungelesener Beitragvon ThomasK » 21. Feb 2014, 21:33

Hallo Zusammen,

also dass ich hier "Weltbilder" zerstöre, war und ist ganz sicher nicht meine Absicht.

Natürlich habe auch ich diesen Kasten kürzlich nur übers Netz erworben und weiß nicht gesichert, was tatsächlich original ist. Bei unserer eher archäologischen Vorgehensweise sind natürlich Fehler in der Einordnung nicht ausgeschlossen. Es gilt also abzuwägen, was nach den vorliegenden Informationen (auch im Vergleich zu den verschiedenen Auflagen der Kästen Elektromann, Technikus, All-Chemist etc.) als wahrscheinlich gelten kann oder nicht. Ich war zumindest auch über den Aluminiumlackdraht in meiner Ausgabe von 1938 verwundert, zumal die Klemmen noch aus Messing sind. Letztendlich habe ich aber auch keinen Anhalt gefunden, dass es nicht so war im Vergleich zum historischen Kontext (Elektroinstallationen, Rüstungsindustrie etc.), auch wenn eigentlich noch keine Materialknappheit geherrscht haben sollte.
Es gilt also konstruktiv kritisch zu prüfen, zu vergleichen und zu überdenken. Ich denke, wir haben dieses Board dadurch schon zu einer Referenz gemacht. Und Diskussionen sowie Meinungsaustausch sowie hinterfragen sind Teil des Prozesses. Kosmos ist und bleibt da schwierig, dass macht es aber auch für mich wieder interessant Neues zu entdecken.

Ich hoffe, dass die Weltbilder wieder genesen.

Viele Grüße,
Thomas
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Re: KOSMOS Radiomann 1938 (3. Auflage)

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 21. Feb 2014, 21:54

ThomasK hat geschrieben:Es gilt also konstruktiv kritisch zu prüfen, zu vergleichen und zu überdenken.


Hallo Thomas,

ja, genau so ist es. Hinsichtlich der zeitlichen Einordnung der frühen Radiomann-Kästen gibt es z.B. bei Radiomuseum.org (RMorg) viel Lesenswertes. Hier einmal zwei dortige Beiträge von Paul Gantner, den ich einfach als Experten für die Wilhelm Fröhlich-Kästen ansehe:

http://www.radiomuseum.org/forum/radiomann_von_1934_bis_1940.html

http://www.radiomuseum.org/forum/radiomann_von_1942_bis_1959.html

Das hatte ich seinerzeit im Hinterkopf, als ich den Radiomann 5. Auflage 1942 - jetzt als 4. Auflage 1940 bezeichnet - bei uns vorstellte.

Aber es scheint bei RMorg auch gewisse Widersprüche zu den einzelnen Versionen zu geben:

http://www.radiomuseum.org/r/kosmos_radiomann_holz_3_auflage.html

http://www.radiomuseum.org/r/kosmos_radiomann_holz_4_auflage.html

http://www.radiomuseum.org/r/kosmos_radiomann_holz_5_auflage.html

Dort wird erstmals der 4. Auflage zugebilligt, neben dem Sütterlin-Deckel auch einen solchen mit dem "grünen Jungen" zu haben. Im dortigen Beitrag "1942 - 1959" habe es dagegen erst mit der 5. Auflage ein Ende mit der Sütterlin-Beschriftung gegeben. :zucken:

Wie du sagtest: hier gibt es noch vieles kritisch zu prüfen (möglicherweise läuft dies auf einen vom eigentlichen Kasten abzutrennendes eigenes Thema hinaus).

Es bleibt spannend. :yes:

JuergenK
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Re: KOSMOS Radiomann 1938 (3. Auflage)

Ungelesener Beitragvon Radiomann » 24. Feb 2014, 10:51

... Paul Gantner, den ich einfach als Experten für die Wilhelm Fröhlich-Kästen ansehe:


Hallo Juergen

Vielen Dank für die Blumen :-) , aber ich möchte mich der Ehrlichkeit halber nicht mit "fremden Federn" schmücken ;-) Ich habe zwar fundierte experimentelle und "physiktheoretische" Erfahrungen u. a. mit dem "Holz"-Radiomann, aber die geschichtlichen Details sammle ich bei effektiven und profunden Kennern der Szene, u. a. sogar beim direkten Nachkommen von Wilhelm Fröhlich, dem im Elektrofiliusbüchlein der 70er-Jahre erwähnten "Kind" Rainer :-) Hier an einer Veranstaltung 2012 zu sehen:

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Ich tauche hier mal aus der Versenkung auf, denn in der Zwischenzeit jagte ich einigen anderen "Radio-Themen" hinterher: Geschichte, Recherche und Aufsuchen von "Ueberresten" von Notsendern in den (Schweizer) Alpen im 2. Weltkrieg, Restauration eines Labormodelles (D-Zug) von Wilhelm Fröhlich für ein Museum und Sichtung/"Sanierung" von weiteren dort vorgefundenen Experimentier-Kästen. Nach Abschluss der Sache und um der Eröffnung nicht vorzugreifen werde ich die Sache hier dann auch vorstellen. Das ist aber erst gegen Ende dieses Jahres möglich.

Im Forum hier werden auch verschiedene Ansichten zu Auflagen-Nummern diskutiert. Ich möchte hier auch meinen hoch-subjektiven Eindruck zum Problemkreis anfügen und zwar anknüpfend auf folgende praktische Erfahrung: 1955 (Weihnachten) bekam ich als kleiner Knirps den "Optkus + Fotomann". Alles funktionierte, sogar das Entwickeln von Fotos, aber die Kleinlinsenfassung konnte die kleine Linse nicht fixieren und sah auch anders aus, als im Anleitungsbüchlein. Ich beklagte mich beim Verkäufer (Franz Carl Weber, Zürich). Seine Reaktion: "Ah, da haben die etwas geändert" [offenbar während(!!) der Auflage]. Ich sehe den Verkäufer noch heute genau vor mir, wie er etwa fünf Minuten mit Werkzeug arbeitete und mir eine funktionierend Kleinlinsenfassung übergab.
Auch weitere Beobachtungen lassen mich vermuten (ich habe dazu natürlich kein Logbuch geführt):

KOSMOS hat während der Laufzeit von Auflagen Änderungen durchgeführt (Respekt!). Heute würde überschüssiges Material generell (nicht speziell bei KOSMOS) wohl einfach fortgeworfen. Damals aber, wenn Teile ausgingen oder übermässig vorhanden waren, wurde "notfallmässig" ausgeholfen. Alle hier erinnern sich an das Paradebeispiel des roten Klebers auf dem Kastendeckel: " .. jetzt über 100 Versuche ... neu mit Transistor und Diode ...". Ich denke, auch zum Beispiel mit der zeitweiligen Verwendung von Nicht-Messing-Klemmen [Material-Knappheit im 2. WK] oder wechselnden Drahtfarben auf den Wabenspulen war das so. Von Teile-Vermischungen durch die Nutzer in heute angebotenen Kästen ganz zu schweigen. Man darf hier wohl nicht zu kritisch sein.

Eines meiner aktuellen Probleme liegt in folgendem Bereich und vielleicht kann da Juergen oder jemand anders helfen:
Wohlbegründete Vermutung: Gegen Ende der Holz-Platten Ära des Radiomann muss es nach menschlichem Ermessen bei KOSMOS internen "Zoff" gegeben haben. Einerseits wollte Wilhelm Fröhlich verständlicherweise den Holz-Radiomann weiter entwickeln ["mein" oben erwähntes Labormodell lässt grüssen"], anderseits waren da "Herstellungskosten-Drücker" [Spulen, Klemmen, Grundplatten] und drittens: Der Einfluss von Heinz Richter bei KOSMOS nahm zu. Es fand ein schleichender Uebergang vom "Radiomann" und "Radio-Technik" nach "Radio+Elektronik" statt. Der "Plastik-Radiomann" kann als eine Art temporäre Kompromiss-Lösung angesehen werden (wobei nach meinem privaten Empfinden der Verlust von Summersender und "eigenem Rundfunkkonzert" durch die neuen Zusatzversuche nur teilweise kompensiert wurde. Aber wie heisst es so schön: "Was ich nicht weiss, macht mir nicht heiss". Die neue "Schülergeneration" hatte gar keine Kenntnis mehr von diesen legendären Versuchen. Und: Diese "Kompromiss-Lösung" hat sich erstaunlich lange und sehr erfolgreich gehalten. Röhren sind "unverwüstlich" und halten eben lange und bei Radio+Elektronik D kamen sie sogar wieder zurück :-) .

Ein weiterer Schlüssel zur Aufhellung dieses "Zoff"-Problems liegt wohl bei der 12. Auflage: Dort waren - offenbar in grosser Eile bereitgestellte - Zusatzversuche mit Transistor und Diode [zusätzlich zu erwerben] als Ergänzung beigefügt und genau diese fehlen mir. Um endlich mal einen Versuch zur Darstellung einer konsistenten Geschichte der "internen Vorgänge bei KOSMOS" im Zusammenhang mit dem Ende des historischen(!) Radiomanns wagen zu können.

Könnte Juergen oder sonst ein beneidenswerter Besitzer :-) der 12. Auflage diese Zusatz-Versuche einscannen und hier mal vorstellen?

Das restaurierte Labormodell wird hier - wie eingangs erwähnt - gegen Ende Jahr vorgestellt - zusammen mit seiner "Geschichte". Etwas lange, aber ich möchte einer offiziellen Eröffnung in einem Schulmuseum nicht vorgreifen und einiges ist noch zu klären.

73, mit freundlichen Grüssen
Radiomann (Paul Gantner)

edit 12:25 Uhr : Ich beginne an Telepathie zu glauben ;-) . Eben hat Juergen genau diese Seiten andernorts ins Forum gestellt. Ganz herzlichen Dank, Juergen! Die Posts haben sich gekreuzt.
Bitte allfällige Mails direkt an:
zyx@bluewin.ch
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Sütterlin

Ungelesener Beitragvon Georg » 24. Feb 2014, 12:32

In Wikipedia
findet man, daß der "Schrifterlass" Sept. 1941 an die Schulen erging.
Sonst beließ man wohl alles beim Alten, was auch besser zum Krieg passt.
Selbst die Schulen hatten Schwierigkeiten neues Unterrichtsmaterial zu
besorgen.
Die Deckelbilder Radiomann 1938 bzw 1940 und Technikus 1939 können somit
nicht auf Grund dieses Verbots geändert worden sein.
Gruß
Georg
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