UKW-Radio mit X3000 / X4000

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UKW-Radio mit X3000 / X4000

Ungelesener Beitragvon Flo143 » 1. Nov 2015, 20:44

Hallo ihr Lieben,

ich hatte ja schon berichtet, dass ich gemeinsam mit meinem Sohn meinen alten Chemie C3000 wiederbelebt habe.

Nun sind wir heute auf dem Flohmarkt gewesen und haben dort eher zufällig einen absolut kompletten X4000 für 10 Euro mitgenommen. Ja, ist denn heut schon Weihnachten? :mrgreen:

Natürlich haben Sohnemann und ich schon mal ein Bisschen rumgebastelt. Letztlich habe ich dann aber den Nachmittag, während Ben bei einem Freund war, alleine mit dem Kasten zugebracht. Ich habe die Einsteiger-Seiten übersprungen (habe das zwar nicht gelernt, bin aber definitiv kein Einsteiger) und mich an dem UKW-Empfänger probiert. Lichtorgeln, Sirenen und Klatschschalter finde ich zwar nett, aber aus dem Alter bin ich dann doch raus. Zumindest, um sie für mich alleine aufzubauen.

Ich bilde mir ein, tatsächlich so in etwa die Funktionsweise des UKW-Empfängers zu verstehen. Der größte Teil des Empfängers ist das von Kosmos fertig bestückte "UKW-Modul" mit einer Kapazitätsdiode zum einstellen der Frequenz, die über P2 gesteuert wird. Die selbstgewickelte Spule L3 rechts neben dem UKW-Modul wirkt sich auch auf den Empfang aus - wie und warum, weiß ich nicht. Die restlichen Bauteile dienen eigentlich nur noch der Stromversorgung des Moduls und natürlich der NF-Verstärkung.

Mein Problem ist nun, dass der Empfang mit diesem Teil absolut unter aller Sau ist. Ich habe ein enormes Rauschen in allen Lebenslagen. Die im Handbuch genannten Tipps (Spulen aufbiegen oder zusammendrücken, Widerstand R2 tauschen, Antenne oder keine Antenne usw. usf.) haben keinen Erfolg gebracht.
Durch das vorsichtige Verbiegen der Spulen lässt sich offenbar der Frequenzbereich beeinflussen, der Empfang auch, aber nicht zu einem akzeptablen Ergebnis.
Der Widerstand R2 ist im Bauplan mit 100k angegeben, damit klappt es am besten. Eine Verringerung von R2 macht den Empfang noch erheblich schlechter.
Antenne oder keine Antenne macht erstaunlich wenig Unterschied. Im Handbuch steht ja auch, dass bei guter Empfangslage eventuell gar keine Antenne nötig ist, im Schaltbild steht dann aber "Antenne ca. 70cm".
So oder so, der Empfang ist unglaublich mies. Und nein, das sind weder die Schwächen eines Baukasten-Empfängers, noch sind es die Probleme eines UKW-Pendlers mit den heutigen Signalen von wegen ARI, RDS und hastenichgesehen. Störungen von außen (Computer, Energiesparlampen, Aliens) sind es auch nicht. Es ist einfach nur mieser Empfang. Da stimmt einfach etwas nicht.

Das Rauschen kommt definitiv vom Radio-Empfangsteil und nicht aus dem NF-Teil.
Meine Bauteile habe ich nun mindestens fünfmal Stück für Stück mit dem Bauplan verglichen, ich würde sagen dass ich alles richtig eingesetzt habe und auch die Widerstandswerte stimmen.
Die Elkos habe ich durchgemessen, die sind soweit absolut okay, zumindest von der Kapazität her. ESR kann ich nicht messen, dürfte bei den Strömen um die es hier geht aber auch tendenziell eher egal sein.

Was mir aufgefallen ist: Wenn ich einen Antennendraht einstecke und diesen am blanken Ende anfasse, ist der Empfang absolut klar und Störungsfrei. Das ist zwar schön, aber keine Dauerlösung - ich möchte damit Radio hören, ohne ständig eine Hand an der Antenne zu haben...

Was bleibt da noch? Der FET auf dem UKW-Modul? Oder die Varicap? Die Hand voll Keramikkondensatoren werden nicht defekt sein. Tipps? Hilfe? Vorschläge? Ich will ein funktionierendes UKW-Radio, und zwar möglichst bevor Ben (mein Sohn) wieder seine Hände an diesen Kasten anlegt :mrgreen:

Liebe Grüße,
Florian
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Re: UKW-Radio mit X3000 / X4000

Ungelesener Beitragvon ChrisH » 6. Nov 2015, 20:57

Hallo Florian,

auch ich habe diese Radioschaltung schon mal aufgebaut und auch mein Erfolgt ist mässig bis stark zerrauscht :-?
Ich habe lange rumprobiert auch mit anderen Modulen aus einem zweiten Kasten - aber es blieb einfach erfolglos.
Habe trotzdem nicht die Freude am Experimentieren verloren. Es war ein Versuch - kein Muss :-)
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Grüße, Christian

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Re: UKW-Radio mit X3000 / X4000

Ungelesener Beitragvon Lutz » 7. Nov 2015, 10:20

Moin!

Bei dieser Ausführung musste man wohl bereits darauf achten, dass die Störstrahlung des Pendlers nicht andere Radiogeräte störte...
Das können Pendler nämlich in jedem Fall sehr gut. Auch Rückkopplungs-Audions können das wunderbar, wenn sie nicht richtig bedient werden. Es herrscht ja hier recht enge Verwandschaft.

Solche Störungen (der Pendler ist ja einige gute Prozent der Zeit ein Sender auf der abgestimmten Frequenz) lassen sich nur auf zwei Weisen verringern: Man baut vor der Pendlerstufe einen HF-Verstärker, der die HF-Oszillation "nach hinten" isoliert oder man wählt eine Antennenankopplung, die einen schlechten Kompromiss zwischen Störstrahlung und Empfindlichkeit darstellt.
Wenig Störstrahlung muss daher einhergehen mit verminderter Empfindlichkeit, wenn keine Vorstufe vorgesehen ist.

Der Hinweis "das Ende der Antenne anfassen ergibt viel besseren Empfang" lässt das auch vermuten. Bei allen Empfängern, die mit mangelhaften Antennen oder in einem geografischen Bereich mit geringer Feldstärke betrieben werden, kommt es sehr darauf an, eine Postion zu finden, an der rauschfreier oder rauscharmer Empfang dennoch möglich ist. Besonders bei UKW kann es hier auf wenige Zentimeter oder Dezimeter der Position der Antenne ankommen.

Bei dem Pendler hier kann man dennoch mit der Antenne experimentieren, man muss sich nicht sklavisch an die ca. 70cm halten.
Die 70cm gelten als Viertelwellenantenne (Lambda/4) und sind für "Stromkopplung" an den Empfänger passend. Stromkopplung heisst hier, dass der generell als "hochohmig" zu betrachtende Schwingkreis in der Nähe seines "kalten" Punktes seinen Antennenanschluss erhält (der Schwingkreis transformiert dann selber die Empfangsspanung "hoch"). Nur geradzahlige Vielfache der Viertelwellenlänge sollte man vermeiden, diese Antennenlängen (2/4 = 1/2 Lambda, 4/4 =1 Lambda etc ergäben Spannungskopplung statt Stromkopplung).

Ich würde testweise vorschlagen, die Antenne etwa dreimal so lang zu machen (3*Lambda/4 ergeben anpassungsmässig sehr ähnliche Verhältnisse) und sie im Raum zu bewegen. Dazu sollte man das Ende der Antenne aber nicht anfassen sondern an einen längeren Holzstab binden und so probieren.

Die andere Alternative wäre, die Antenne nicht am vorgesehenen Punkt anzuschliessen, sondern an einer niedrig gelegenen Windung der Schwingkreisspule. Dabei kann es aber passieren, dass die "Last", die die Antenne ja immer darstellt, den Schwingkreis nicht nur verstimmt, sondern auch soweit belastet, dass die Oszillation auf HF aussetzt. Also nicht zu hoch.

Es gibt Pendler-Konzepte, wo die Vorstufe sogar direkt auf's Gate (oder Gitter bei einer Röhre) arbeitet, also auf den "Hochpunkt" des Schwingkreises. Dazu muss die eigentliche Rückkopplung jedoch stärker angezogen werden. So etwas ist immer ein Punkt sorgfältiger Anpassung der gesamten Schaltung, was in diesem Fall der Originalität wegen eher wegfällt.
Sofern ein Experimentieren mit der Antenne bzw. deren Position an sich nicht ausreichend für Verbesserung sorgt, könnte man die Antenne probeweise an eine Windung der Spule vornehmen, die etwa in der Höhe des Anschlusses "3" des Moduls liegt und nicht am Schnittpunkt der beiden Teilspulen auf dem Modul. Dabei sollte man sich von unten nach oben hochtasten.

Alle Experimentierkästen sind... Experimentierkästen und enthalten oft genug, besonders bei Elektronik, noch genügend Potential "nach oben". ...wenn man weiss, was man tut! :-)

Viele Grüsse,
Lutz
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Re: UKW-Radio mit X3000 / X4000

Ungelesener Beitragvon Flo143 » 27. Jan 2016, 19:51

Danke für die sehr, wirklich sehr informative Antwort. Ich habe am Wochenende endlich wieder Zeit gefunden, mir den Kasten wieder einmal vorzunehmen.

In der Tat klappt es mit einem wie von Lutz beschrieben deutlich längeren Draht hervorragend; der Empfang ist dann absolut störungsfrei.
Flo143
 
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