"Eigenes Rundfunkkonzert" mit Röhre DM 300

Alles, was bei der Anwendung der Kästen hilfreich sein kann...

"Eigenes Rundfunkkonzert" mit Röhre DM 300

Ungelesener Beitragvon Radiomann » 17. Okt 2012, 14:36

Als Kind war mir natürlich völlig unklar, wie der Sender (Holz-Grundplatten-Radiomann) funktionierte, aber er funktionierte. Vor allem der "Alleskönner" Telefonkondensator, parallel zum Grammo-Eingang weckte meine Neugierde.
Heute - "aus höherer Warte" - wundere ich mich, dass der Sender so eigentlich gut hörbar funktionierte. Der Telefonkondensator schliesst den Gitterkreis für die HF (da der Grammophon eher eine Drosselwirkung hatte), das ist klar. Die NF wirkte zwischen Heizung (Kathode) und Gitter und veränderte dadurch die Röhrensteilheit, was u. a. eine Amplitudenmodulation ergab. Aber im NF-Zweig war der Gitterkondensator mit nur etwa 250 pF, was für die NF etwas wenig war.

Leider bin ich nicht mehr im Besitz der Geräteschaft, sonst würde ich mal den Gitterableitwiderstand (der "rettende Bleistiftstrich") parallel zum Gitterkondensator legen, was beim Audion eigentlich "Standard" und elektrisch etwas besser war, aber beim Radiomann wohl aus didaktischen Gründen eben anders gemacht wurde. So würde die NF-Spannung (auch) über diesen Widerstand auf das Gitter gelangen und vielleicht einen volleren und lauteren Klang ergeben.

Es wäre interessant von jemandem, der die Gelegenheit und Zeit hat, über ein entsprechendes Resultat zu hören. Es geht um den im Folgenden abgebildeten Versuch:

Bild
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Re: "Eigenes Rundfunkkonzert" mit Röhre DM 300

Ungelesener Beitragvon Georg » 17. Okt 2012, 19:22

Hallo Radiomann,
gab es diesen Versuch schon vor dem Krieg bzw
in den frühen 50ern?
Danach waren die Plattenspieler mit Kristalltonabnehmern bestückt,
die lieferten sehr hohe Spannungen.
In dem Fall könnte der Gitterkondensator/ Ableitwiderstand
als Abschwächer beabsichtigt gewesen sein.
Gruß nach Walensee
Georg
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Re: "Eigenes Rundfunkkonzert" mit Röhre DM 300

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 17. Okt 2012, 19:47

Ich versuche immer noch, den Schaltplan nachzuzeichnen, leider gab es bei Wilhelm Fröhlich im Heft dazu nur die Aufbauzeichnung. Und der in der Anleitung auch noch in der letzten Holzbrett-Ausgabe des Radiomann von 1959 gezeigte "Bleistift"-Widerstand ist eigentlich auch nur Makulatur, weil der Kasten bereits den 2-MOhm-Festwiderstand hatte.

Die Rückkopplungs-Sender-Schaltung gab es schon in der Vorkriegsausführung.

Den Text aus der Anleitung zum Aufbau reiche ich noch nach.

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Re: "Eigenes Rundfunkkonzert" mit Röhre DM 300

Ungelesener Beitragvon Georg » 17. Okt 2012, 21:55

Irgendwie hab ich in Erinnerung,
daß es vor Jahren mal eine Seite von Wolfgang Holtmann
in Jogis Röhrenbude genau zu diesem Sender gab.
Ich finde ihn aber nur mehr einen Stumpf ohne Abbildungen:
http://www.jogis-roehrenbude.de/Roehren ... gsbuch.htm
Etwa in der Mitte der Seite unter: "Die Sendeversuche eimal anders betrachtet" .
Gruß
Georg
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Re: "Eigenes Rundfunkkonzert" mit Röhre DM 300

Ungelesener Beitragvon Radiomann » 18. Okt 2012, 14:16

Danke an Georg und Juergen.

Der Experte Wolfgang Holtmann hat mir einmal zu Euren Gedanken den folgenden bebilderten Text für meine Homepage verfasst. Geht dort weit (weiter als die EF 98-Plastikgrundplatten-Aufbauten) nach unten. Dann kommt: "Die Sendeversuche einmal anders betrachtet" (bei diesem Stichwort ist mir das wieder in den Sinn gekommen). Auch Schaltbilder sind zu sehen. Jetzt muss ich das auch nochmals lesen (peinlich, wie vergesslich "man" wird), ob sich hier auch noch etwas zu meinem "Problemchen" findet.
NB.: Mir stand seinerzeit ein Vorkriegs-Grammophon mit "elektro-dynamischem Wandler" (nur für 78er-Platten) zur Verfügung.

Und eben gefunden: Der von Georg erwähnte Artikel ist der selbe wie im Folgenden verlinkt, hier ist er aber vollständig. Wolfgang Holtmann hat ihn offenbar beiden Seitenbetreibern zur Verfügung gestellt (was natürlich sein Recht als Autor ist).

http://www.sarganserland-walensee.ch/radio_tv_historisch/radiomann/roehre/roehre.htm
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Re: "Eigenes Rundfunkkonzert" mit Röhre DM 300

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 18. Okt 2012, 15:53

Die Fundstelle zu Wolfgang Holtmanns Text war goldrichtig. Hier der von dort "entnommene" Schaltplan mit dem farbig gekennzeichneten Gitterwiderstand:

Bild

Das Handbuch hat geschrieben:
80. Eigenes Rundfunkkonzert

Als Abschluß unserer Sendeversuche soll noch gezeigt werden, wie unser Sender nicht nur zur Telegrafie gebraucht werden kann, sondern auch zur Aussendung von Musik und Sprache wie ein richtiger Rundfunksender. Sogar der gewöhnliche Audionempfänger mit Rückkopplung kann als solcher Sender dienen. Wir stellen diesen mit Spule 60 und 40 versehen einige Meter von dem Rundfunkempfänger des Hauses auf. In die Rückleitung von der Eingangspule zur negativen Heizung schiebt man den Telefonkondensator ein, der für diesen Versuch in der Anodenleitung nicht notwendig ist, und schließt an seine beiden Klemmen die Zuleitungen einer elektrischen Grammofonabnahmedose, die etwa schon vorhanden sein wird. Dann läßt man durch ganz enge Einstellung der Rückkopplung den „Sender" schwingen und sucht am Hausapparat den Haussender, der sich sehr deutlich durch die üblichen Pfeiftöne bemerkbar machen wird. Durch Ein- und Ausschalten des Stromes am Sender vergewissert man sich, daß man auch wirklich den eigenen Sender im Empfänger hört. Alsdann läßt man die Dose auf einer Platte laufen und es gelingt bei etwas enger Rückkopplung die Musik aus dem Lautsprecher herauszuhören. Der Sender kann auch im Nebenzimmer aufgestellt sein. Beide Apparate haben keinen Anschluß an Antennen und unsere Übertragung stört nach außen nicht. Diese Art der Übertragung der Musik auf die Gitterleitung ergibt eine wenig reine Tonwiedergabe, darum verwenden die Sender etwas abgeänderte Anordnungen.


Der im Text genannte, umzubauende Audionempfänger verwendet den Gitterwiderstand; bei der zum Sender umfunktionierten Schaltung weist die Aufbauzeichnung dort, wo das "kalte" Ende des Widerstands anzuschließen wäre, eine Schnittklemme auf, die ohne Verwendung des Widerstandes eigentlich gar nicht erforderlich wäre. Hat da der Zeichner den Widerstand vielleicht einfach vergessen? ;-)

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Re: "Eigenes Rundfunkkonzert" mit Röhre DM 300

Ungelesener Beitragvon Georg » 18. Okt 2012, 16:54

Ich bin jetzt
richtig verunsichert:
Hab ich diese Seite bei dir oder bei Jogi gesehen?
Mit Rudolf Rock-Platte im Hintergrund, Rudi Schuricke
wär aber noch "besser" gewesen :=)
Gruß
Georg
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Re: "Eigenes Rundfunkkonzert" mit Röhre DM 300

Ungelesener Beitragvon Radiomann » 18. Okt 2012, 18:37

@ Georg: Rudolf Schock nicht Rock. Ja, Rudi Schuricke wäre auch edel. :winkie:

@Juergen: Ist das von Dir angegebene "vergessen" auch oben in "meinem" Senderbild zu sehen? Den Widerstand kann man ja nicht einfach weglassen. Ich hab da ein Brett vor dem Kopf.

Zum Originaltext im Anleitungsbuch: Leider hat der Fehler, die mich schon seit meiner Kindheit "stören":

Z. B. "Beide Apparate haben keinen Anschluss an Antenne und Erdleitung". Mindestens der Hausempfänger musste an einer Antenne hängen, denn Ferritantennen waren ja noch unbekannt. (Wohl nicht nur) bei mir hing natürlich auch am Sender eine Antenne und Erdleitung. :mrgreen:
Oder: "... und sucht am Hausapparat den Haussender, der sich sehr deutlich durch die üblichen Pfeiftöne bemerkbar machen wird." Pfeifen tut's nur, wenn man auf einem bereits belegten "Kanal" sendet, was ja nicht bezweckt war. Beim Suchen konnte man aber bei gleicher Abstimmung statt des Pfeifens immerhin ein Rauschen hören, bzw. das Magische Auge signalisierte unseren Haussender.

So hervorragend die Anleitungen in didaktischer Hinsicht spannend geschrieben waren, bei der Präzision mussten leider Abstriche hingenommen werden. Das war aber später bei Heinz Richter nicht besser: Eine Fehlerliste etwa zu "Radiobasteln für Jungen" hätte auch ein respektables Ausmass. Das soll aber die grossen Verdienste (Jugend-Motivation) der beiden Autoren in keiner Weise schmälern.
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Re: "Eigenes Rundfunkkonzert" mit Röhre DM 300

Ungelesener Beitragvon Georg » 18. Okt 2012, 19:34

Hallo Radiomann,
da bin ich anscheinend in die falsche Schublade gerutscht:

http://www.youtube.com/watch?v=VzIJ9iPThOI

:mrgreen:
Gruß
Georg
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Re: "Eigenes Rundfunkkonzert" mit Röhre DM 300

Ungelesener Beitragvon Radiomann » 18. Okt 2012, 20:34

@ Georg: Ja, das ist doch was anderes. Jetzt ist alles klar, denn ich dachte, der Unterschied zwischen R. Schock und R. Schuricke sei nun in Sachen nostalgische Kultigkeit nicht so gross, dass sich ein Austausch der Plattenhüllen lohnt. :winkie:
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Re: "Eigenes Rundfunkkonzert" mit Röhre DM 300

Ungelesener Beitragvon WolfgangH » 19. Okt 2012, 12:49

Hallo zusammen, liebe Radiomänner!

Ich lese schon seit einiger Zeit hier mit, daher eine kurze Vorstellung:
Mein Name ist Wolfgang Holtmann und ich bekam den Kosmos Radiomann (mit Röhre DM300) etwa 1953 zu Weihnachten geschenkt. Mein Jugendhobby habe ich dann 1959 zum Beruf gemacht (Radio- und FS-Techniker). Später wechselte ich zur Flugfunkelektronik - Flugsicherung über.
Im Alter von ca. 45 Jahren wurde mein Interesse in die alte Radiotechnik wieder neu erweckt. Spruch: "Nostalgie ist, wenn man von der Vergangenheit überhohlt wird...."
Mit viel Mühe (und Geld) konnte ich den veschollenen Radiomann und Elektromann neu erwerben. Sogar den Kasten Radio-Technik von 1951 darf ich mein eigen nennen. War damals finanziell unerreichbar. Natürlich wurden die Röhrenversuche wiederholt, jetzt aber mit mehr Kenntnis und vor allem, mit den nötigen Messmitteln.

@ Radiomann
Wie ich schon schrieb (und auch im Anleitungsheft zugegeben), der Sendeversuch 80 ist nicht das Gelbe vom Ei. Bevor ich auf die Idee mit dem Klingeltrafo (=Anodenmodulation) kam, hatte ich versucht, eine Gittermodulation über das kalte Ende des Gitterwiderstandes (oder Bleistiftstrich) zu erwirken. Das entspricht einer Prallelschaltung von Cg und Rg, wie von Dir erwähnt. Das brachte leider keinerlei Verbesserung.....

Ich denke, man muss die Umstände der Nachkriegszeit in Betracht ziehen. Kosmos konnte aus Kostengründen keinen NF-Trafo dem Kasten hinzufügen.

Mit Hobbygrüßen
WolfgangH
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Re: "Eigenes Rundfunkkonzert" mit Röhre DM 300

Ungelesener Beitragvon Radiomann » 19. Okt 2012, 17:55

Hallo Wolfgang, wie klein die Welt doch ist! Es freut mich, Dich an dieser Stelle wieder mal zu treffen! Bei vielen Ideen fragt man sich, wieso man nicht selber darauf gekommen ist. Deine Idee mit der "Kalt-"Einspeisung an Rg ist ein solch genialer Einfall. Das spart sogar noch den Telefonkondensator ;-) Wilhelm Fröhlich hätte seine helle Freude daran. Nun, vielen Dank für die Mitteilung des Resultates dieses Versuches. Somit ist dieses Thread-Eröffnungs-Problem gelöst und ich kann wieder gut schlafen. :winkie:

Ein weiteres "schlafraubendes" Problem mit der ähnlichen Schaltung (Audion) ist im Parallel-Thread beschrieben:

http://www.experimentierkasten-board.de/viewtopic.php?f=33&t=666
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