Toleranzen von alten Kosmos Widerständen

Alles, was bei der Anwendung der Kästen hilfreich sein kann...

Toleranzen von alten Kosmos Widerständen

Ungelesener Beitragvon Kosmonaut » 1. Mai 2013, 12:57

Ich habe einige alte "original Kosmos" Widerstände mit schwarzem Körper nachgemessen und teilweise erhebliche Abweichungen festgestellt, die über das erlaubte Maß (Silberring 10%) hinausgehen, z.B. 1,24kOhm statt 1kOhm.
In vielen Fällen ist das wohl kein Problem, aber beim "Thermostaten" des EST20 führte dieser Umstand zu einer Skalenabweichung von ca. 10Grad Celsius, die sich vermittels Ersatz des Widerstands durch ein "modernes" Exemplar mit exaktem Wert beheben ließ.

Es ist mir nicht bekannt, daß Widerstände altern, und die Exemplare sehen auch neu und unbeschädigt aus. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
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Re: Toleranzen von alten Kosmos Widerständen

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 19. Mai 2013, 21:11

Deinen Beitrag zu den Widerständen, aber auch den zu den Elkos der alten KOSMOS-Kästen klick habe ich heute zum Anlass genommen, die Bauteile eines rund 4 Jahrzehnte alten Labor-X-Kastens, bestehend aus XG, XS, XR, XU1 und XU2 nachzumessen.

Aus gutem Grund hast du bei den Bauteilen ja den Begriff "original Kosmos" mit Anführungszeichen geschrieben. Denn es waren natürlich handelsübliche Bauteile. Bei den Widerständen fallen mir als damalige Hersteller spontan Namen wie Beyschlag, Dralowid, Radiohm, Rosenthal oder Vitrohm ein. Die Elkos des Labor-X bezog KOSMOS von dem noch heute in dem Metier aktiven deutschen Hersteller F&T; ob das während der gesamten Laufzeit der Serie so war, kann ich nicht sagen.

Wie auch immer:

Von 34 Widerständen waren nur drei außerhalb der 10%igen Norm: 129 statt 100 Ohm, 16,8 statt 15 kOhm und 33,4 statt 39 kOhm. Insbesondere den letzten Widerstand (aus XS) habe ich mit gewisser Genugtuung ausgewechselt: jahrelang hatte KOSMOS im XS einen 1-Watt-Typ verwendet, der im Vergleich zu den anderen 1/4-Watt-Typen mit seinen riesigen Abmessungen immer ein Fremdkörper war. Technisch war die Leistung nicht erforderlich, der Posten war wohl günstig oder man hatte sich damals einfach verkauft und die 39-KOhm-Widerstände dann eben aufgebraucht. ;-)

Die 24 Kondensatoren waren sämtlich in Ordnung.

Von 11 Elkos waren zwei von F&T taub (2 uF und 10 uF) und wurden ersetzt.

Nicht mehr geprüft habe ich die Halbleiter, denn bei gebrauchten Kästen müssen die ohnehin stets als erstes getestet werden. Dies betrifft neben Transistoren und Dioden auch den Fotowiderstand (ein Mitglied bei uns kann ein Lied davon singen, dessen Schaltung nicht funktionierte, weil der LDR bei Lichteinfall nicht mehr niederohmig wurde).

Mein persönliches, wenn auch nicht repräsentatives, Fazit: Probleme, die es typischerweise mit defekten Bauteilen z.B. bei Röhrenradios der 50er/60er Jahre gibt (Stichwort "Kondensatorkur", sprich: so ziemlich alle Kondensatoren sind defekt - gefährden dann u.U. die Röhren und müssen ersetzt werden) existieren bei den mit Niederspannung betriebenen Experimentierkästen wohl nicht. Aber ich ging bisher leichtfertigerweise davon aus, dass eigentlich gar keine Probleme mit passiven Bauteilen zu erwarten seien. Dem ist nicht so.

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Re: Toleranzen von alten Kosmos Widerständen

Ungelesener Beitragvon Georg » 20. Mai 2013, 17:40

Hallo Kosmonaut,
Es ist mir nicht bekannt, daß Widerstände altern,

Doch das gab es, das war aber eher ein Problem der 20er/30er
Jahre mit Masse- bzw. Schichtwiderständen, besonders im
Megohmvbereich.
Das Problem war die Kontaktierung der Schicht zu den Kappen
bzw der Masse zu den eingebetteten Anschlußdrähten.
Später gab es vereinzelt Probleme, z. B. hier:
http://www.radiomuseum.org/forum/conrad ... oblem.html
da hat die Firma Conradty wohl Lehrgeld bezahlen müssen :=(
Aber ganz allgemein: da war Kosmos allzu geizig! Zu der Zeit der in Rede stehenden
Kästen waren 10 %er in der allgemeinen Elektronik schon ausgestorben,
da konnte man auch nur Pfennigsbeträge an einem ganzen Kasten sparen.
Möglicherweise hat man da auch "Sonderangebote" gekauft.
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Re: Toleranzen von alten Kosmos Widerständen

Ungelesener Beitragvon Kosmonaut » 20. Mai 2013, 18:38

Die sparsamen Schwaben eben! Ich bin sicher, bei Kosmos wurde nichts weggeworfen, auch wenn es nur Pfennigbeträge waren. In einem Ü2 von 1977 finden sich noch etliche dieser schwarzen Widerstände, einige ebenfalls außer Toleranz von 10% (z.B. 1,2 kOhm gemessen statt 1kOhm angegeben). Andererseits finden sich in Kästen des X-Labors (also Anfang 70er) bereits normale Kohleschichtwiderstände (Körper nicht exakt zylindrisch, man kann die Anschlußkappen unter dem Lack ahnen) mit Goldring. Diese sind bei meiner Prüfung nicht zu beanstanden.
Ich war als Schüler in den 70er Jahren beim Tag der offenen Tür eines bedeutenden Widerstandherstellers in meiner Heimatstadt und damals war der Abgleich von Schichtwiderständen auf Keramikkörper per Laser in der Produktion üblich. Selbst bei den nominell 5% Toleranz Exemplaren war die tatsächliche Genauigkeit erheblich höher.
Kosmos hat daher in den 70er noch eigene Restbestände in die Kästen gesteckt oder billig Restbestände aufgekauft. Philips immerhin verwendete in den 70er eigene Typen für die EE-Baukästen. Der Betrieb in meinem Ort wurde zufällig in diesen Jahren an Philips verkauft, inzwischen weiterverkauft. Erstaunlicherweise gibt es ihn noch immer. So habe ich seit meiner Jugend einen besonderen Bezug zum Thema.
Nun eine Frage an die Experten: Handelt es sich bei den alten schwarzen, exakt zylindrischen Widerständen um Massewiderstände? Dann habe ich hier eine Information zur Alterung gefunden. http://www.elektronikinfo.de/strom/widerstand.htm#Kohlemassewiderstand
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Re: Toleranzen von alten Kosmos Widerständen

Ungelesener Beitragvon Georg » 21. Mai 2013, 10:43

Hallo,
noch eine Anmerkung zu Toleranzsystemen: Es gibt grundsätzlich zwei davon:
Zum einen produziert man möglichst zielgerichtet eine Größe, und läßt
eine Toleranz zu (Beispiel: Länge einer Schraube) wobei ein kompliziertes
System von Stichproben und Gaußscher Verteilung der Meßwerte die
Beurteilung regelt. Dieses System gilt auch für einzeln abgeglichene
Widerstände, die heute wohl vorherrschen.
Das System der E-Reihen hat ursprünglich eine andere Grundidee: da die
Genauigkeit der Abscheidung von Kohleschichten auf den Trägerröhrchen
sehr zu wünschen übrig ließ, wurde "drauflosproduziert" und nachher klassiert
und beschriftet. Bei solch einem System ist die Einordnung in ein Toleranzfeld
nur eine Frage der Meßgenauigkeit, die obengenannten Beispiele sind
eigentlich "unmöglich". So etwas kann nur passieren, wenn das Meßsystem
gestört ist (wenn das bemerkt wird, versucht man dann das entsprechende
Los abzugrenzen und verramscht es als Bastlerware oder man vernichtet es)

Und gewiss gab es auch ein "Zwischensystem", durch Fortschritte in den
Herstellschritten konnte man in ein E-Toleranzfeld hinein produzieren,
(ohne Abgleich) hatte dann aber das grundsätzliche Problem mit der Statistik:
es gibt immer einige Ausreißer.
Insofern könnte die Frage, die hier im Raum steht, nur jemand beantworten, der
zu der Zeit in einem Betrieb zur Widerstandsproduktion arbeitete.
Gruß
Georg
PS
Was die möglichen schwarzen Massewiderstände betrifft, ist das mal wieder eine
Frage, die nur Besitzer der betreffenden Kästen beantworten können.
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Re: Toleranzen von alten Kosmos Widerständen

Ungelesener Beitragvon Kosmonaut » 23. Mai 2013, 19:38

JuergenK hat geschrieben:Die Elkos des Labor-X bezog KOSMOS von dem noch heute in dem Metier aktiven deutschen Hersteller F&T; ob das während der gesamten Laufzeit der Serie so war, kann ich nicht sagen.


Ich habe einen XR und Reste eines XZ, in denen hellblaue Elkos der Marke Rubicon "verbaut" wurden (10uF, 470uF). Diese verrichten tatsächlich heute noch ihren Dienst.
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Re: Toleranzen von alten Kosmos Widerständen

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 23. Mai 2013, 20:30

Hast recht, hier die beiden Typen (unten der ältereElko von F&T, oben das neuere Exemplar von Rubycon aus japanischer Fertigung):

Bild

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Re: Toleranzen von alten Kosmos Widerständen

Ungelesener Beitragvon Kosmonaut » 23. Mai 2013, 20:58

Wie man hier sieht http://www.experimentierkasten-board.de/viewtopic.php?f=82&t=194&p=3702#p3678, gibt es das Modell von F&T sogar in gelb.
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