KOSMOS Kopfhörer

Ideen und Vorschläge zur Beschaffung, zum Nachbau, zum Ersatz oder zur Wiederaufbereitung alter Kästen oder Bauteile

KOSMOS Kopfhörer

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 21. Feb 2014, 15:38

Im Verlauf der Jahrzehnte sind die 2000-Ohm-Kopfhörer für Radiomann bzw. Baukasten Radio im Prinzip gleich geblieben. In Kleinigkeiten unterscheiden sie sich dennoch. Hier soll versucht werden, die verschiedenen Ausführungen zu dokumentieren, auch, um zu erkennen, ob bzw. inwieweit sie optisch durch die bekannten 4000-Ohm-Doppelkopfhörer der 50er/60er Jahre (Stichwort: "OMEGA") ersetzt werden können.

Als erstes ein Bild vom 1940er Kopfhörer (Radiomann, 4. Auflage) und darunter vom 1934er Kopfhörer (Radiomann, 1. Auflage).

Bild

Der untere Hörer hat das allseits bekannte Gummiband (das 2 cm breite, schwarze "Schlüpfergummi"). Das obere Exemplar weist ein hellgraues Gummiband auf, von dem ich derzeit nicht sagen kann, ob es überhaupt ein Original ist.

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Re: KOSMOS Kopfhörer

Ungelesener Beitragvon Georg » 21. Feb 2014, 16:54

Hallo Jürgen,
ist das weiße Gummiband überhaupt noch dehnbar?
Nach der langen Zeit erwartet man daß es versprödet ist.
Überhaupt habe ich in meinen Radiomännern bis jetzt
kein Gummiband vorgefunden, selbst in den rel jungen
mit Kunststoffplatte aus den 70ern.
Gruß
Georg
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Re: KOSMOS Kopfhörer

Ungelesener Beitragvon ThomasK » 22. Feb 2014, 14:17

Im folgenden Bild stelle ich mal meine drei Versionen von Kopfhörern vor. Um die Originalgröße anzuzeigen, ist das Bild anklickbar.

Bild

Von links nach rechts:
Radiomann vermutl. 11. Auflage 1957: Braunes Kunststoffanschlusskabel, Litzenenden nicht verlötet, messingfarbene Membranlackierung, rotes Gummiband, Messingschraube

Radiomann 9. Auflage 1954: Braun stoffisoliertes Anschlusskabel, Litzenenden verlötet, Einzellitzen kunststoffisoliert braun und schwarz, messingfarbene Membranlackierung, rotes Gummiband, Messingschraube

Radiomann 3. Auflage 1938: Braun umwebtes Anschlusskabel, Litzenenden in Anschlussstifte gefasst, Einzellitzen ebenfalls braun stoffisoliert, schwarze Membranlackierung, schwarzes Gewebegummiband fest verschraubt, silberne Schraube mit Schlitz und Unterlegscheibe

Ich hoffe, alle Attribute beschrieben zu haben.
Was mich dabei interessieren würde: Von der mittleren Hörerausführung habe ich zwei Stück. Die Kunststoffisolierung ist äußerst brüchig! Insbesondere ist dies am Ende so, wo die zusätzliche Stoffisolierung aufhört. Hat noch jemand diese Erfahrung gemacht?
Im übrigen kann ich nicht empfehlen, bei Versuchen die roten Kopfgummibänder noch zu verwenden. Sie reißen nach der Zeit in der Regel sofort ein/ab.

Gruß,
Thomas
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Re: KOSMOS Kopfhörer

Ungelesener Beitragvon Cavorit » 23. Feb 2014, 00:09

Ich hab mir nun zum ersten mal solche Kopfhörer angesehen und mich stellt sich gerade die Frage wofür die Gummibänder da sind?
Soll man sich doch tatasächlich damit die Kopfhörer an den Kopf binden? Oder haben die eine ganz andere Funktion?
Und bin ich vieleicht der Einzige der sich diese Frage stellt....? :)
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Re: KOSMOS Kopfhörer

Ungelesener Beitragvon Georg » 23. Feb 2014, 00:18

Hallo Cavorit,
schau dir mal das erste Bild in dem Beitrag an:

viewtopic.php?f=2&t=26

Man hat tatsächlich mit den Gummibändern den "halben" Kopfhörer
am Kopf befestigt. Hier:

viewtopic.php?f=2&t=23

sieht man das rote Gummiband.
Gruß
Georg
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Re: KOSMOS Kopfhörer

Ungelesener Beitragvon Cavorit » 23. Feb 2014, 11:54

Tja, man lernt nie aus. Gesehen habe ich die Kartons zwar, aber nicht auf dieses Detail geachtet.
Ich bin halt ein Kind des Stereos. Ok, nicht ganz. Die kleinen weißen Ohrhörer hatte ich ja damals auch.

Ich hab gerade eben nochmal in mein Labor XG nachgeschaut. Da ist ja auch ein grauer Kopfhörer, mir ist da aber keine solche Befestigung aufgefallen. Und die Schraube da ist eher klein und versenkt, sieht nicht danach aus als ob noch ein Riemen hingehört. Merkwürdig das sie davon abgekommen sind.

Danke für den Hinweis.

Grüße
Kai
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Re: KOSMOS Kopfhörer

Ungelesener Beitragvon Georg » 23. Feb 2014, 12:31

Hallo Kai,
das rote Gummi habe ich auch erst wahrgenommen, als ich die Links für dich
zusammensuchte. Auf der Netzhaut ist noch lange nicht im Hirn oder gar
Bewußtsein :=(
Was Stereo betrifft, ich habe das erste mal Stereo mit so einem billigen
Omega gehört, zu der Zeit hatten nur einige (reiche) Liebhaber Stereogerätschaften.
Oft selbst gebaut (Radio Rim), denn die Verstärker von z. B. Klein & Hummel
waren sündhaft teuer.
Also ein Freund von mir um 1962 hatte einen Stereoplattenspieler mit
Kristalltonabnehmer (das war schon Standard, auch die Schallplatten waren
schon teilweise in Stereo, obwohl es noch kaum Kundschaft dafür gab)
und so einen Kopfhörer, die 2K-Dinger passten nämlich impedanzmäßig
einigermaßen zu den Kristalltonabnehmern.
Was ich da hörte, war eine gräßliche Freddie-Platte, aber vom Effekt hat
mich später nie etwas wieder so beeindruckt. Man war halt noch nicht verwöhnt...
Gruß
Georg
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Re: KOSMOS Kopfhörer

Ungelesener Beitragvon Georg » 23. Feb 2014, 17:12

Hallo,
da ich momentan nur Kopfhörer aus Metall bzw. den 20ern greifbar habe,
möchte ich euch bitten, mal im Inneren eurer Omegas und Kosmos-Kopfhörer
(30er bis 50er Jahre) nach eventuellen Pressmarken zu suchen.
Vielleicht kann aus denen was haruspizieren .
Mein Verdacht ist, daß die Kosmos-Kopfhörer von Omega bezogen wurden.
So sieht so eine Typisierungs-Preßmarke aus:

Bild
Bild

Das liegende S ist die Pressmassen-Art (nach dem Krieg 31 statt S) und die Zahl 32 ist das
Presswerk. Aus letzterem kann man manchmal was herausdestillieren.

Gruß
Georg
PS Lt. Radiomuseum war Omega in Trossingen, später Villingen/Schwenningen
ansässig.
Georg
 
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Re: KOSMOS Kopfhörer

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 2. Mär 2014, 12:01

Hier Bilder weiterer Kopfhörer aus KOSMOS-Kästen verschiedener Jahrgänge:


Bild

Bild

Von links nach rechts:

    - Radio + Elektronik 7A, Ende 1950er Jahre, helles beige, 2 Löcher für Aufnahme der Gabel für Kopfhörerhalter, Membran beige, Prägefelder: kosmos und 2000 Ohm
    - Radio + Elektronik A, Anfang 1960er Jahre, bakelitbraun, keine Gabellöcher, Membran messingfarben, Prägefelder: 1) kosmos, 2) nicht geprägt;
    - Elektronik-Labor XG, grau, Gabellöcher, Membran grau, Prägefelder kosmos und 2000 Ohm.

Die aufgeschraubten Hörer zeigen innen keinerlei Pressmarken (auch nicht in den Hörermuscheln).


Bild

Von links nach rechts:

    - Radio + Elektronik A, Anfang 1960er Jahre, schwarz, Löcher für Gabel, Membran schwarz, Prägefelder: kosmos und 2000 Ohm
    - Radiomann 1947, bakelitbraun, Gabellöcher nur angedeutet, Membran Gold, Prägefelder: 1) Kosmos, 2) nicht geprägt
    - Radiomann 1957, bakelitbraun, keine Gabellöcher, Membran messingfarben, Prägefelder: 1) Kosmos, 2) nicht geprägt*.
* In einem zweiten Radiomann 1957 fand ich einen identischen Hörer, allerdings mit umflochtener Zuleitung.

Wie immer bei solchen Kästen entsprechenden Alters kann nicht ausgeschlossen werden, dass Hörer - wie auch andere Bauteile - im Verlauf der Zeit nachbeschafft wurden und damit die Identität nicht gewährleistet ist. Immerhin soll dieses Thema ja versuchen, ein wenig Licht zu schaffen.

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Re: KOSMOS Kopfhörer

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 2. Mär 2014, 12:20

Da Kopfhörer von OMEGA bereits angesprochen wurden, hier ein entsprechendes Bild:

Bild

Hinsichtlich Aufbau absolut identisch mit den als Kosmos gelabelten Modellen (die Ohrmuscheln bzw. Membranen lassen sich beispielsweise austauschen). Das Foto zeigt zwar eine niederohmige Ausführung (5 Ohm als Doppelkopfhörer), den Hörer gab es aber auch mit 2000 Ohm. Auch unter dem Label IDEAL gab es solche baugleichen Kopfhörer (hier ohne den dazugehörigen Bügel des Doppel-Kopfhörers) :

Bild

Bild

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Re: KOSMOS Kopfhörer

Ungelesener Beitragvon Georg » 2. Mär 2014, 13:24

Hallo Jürgen,
vielen Dank für die aufschlußreichen Bilder. Schade daß sich keine Typisierungsmarken fanden.
Das bedeutet, daß die Firma nicht an Bahn, Post und Militär lieferte, auch nicht indirekt,
zumindest nicht in relevanten Stückzahlen.
Man kann aber trotzdem an der Form erkennen, daß die Kosmos Kopfhörer mit ziemlicher
Sicherheit von Omega stammten. Der Unterschied beschränkt sich ja nur auf die Schraube
mit "Knopffunktion". In den 50er/60ern kann ich mich auch nur an diese Omegas
in den Radiogeschäften und bei RIM erinnern.
Der elfenbeinfarbene Hörer in der ersten Reihe könnte aus Melaminharz gepreßt sein,
das kam in den 50ern in Mode und löste Bakelit weitgehend ab. Nach Auskunft der
Firma Reiner wurden die Notalgie-W48-Telefone in den 90ern aus schwarzem Melamin
gepreßt, Bakelit-Preßmassen werden nicht mehr hergestellt.
Die grauen Kopfhörer dürften aus ABS gespritzt sein.
Mein Omega mit dem 8-eckigen Korpus und Stahlmagnet hat übrigens 56 mm Membran-
durchmesser. Das kommt mir größer vor als bei anderen Kopfhörern, aber ich täusche
mich möglicherweise.
Gruß
Georg
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Re: KOSMOS Kopfhörer

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 22. Aug 2014, 13:49

Hier im Nachgang zu den für KOSMOS-Kästen brauchbaren (bzw. baugleichen) Kopfhörern das Bild eines soeben erhaltenen 2x2000 Ohm-Doppel-Hörers, der als HEGO gelabelt wurde:

Bild

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Re: KOSMOS Kopfhörer

Ungelesener Beitragvon Georg » 24. Aug 2014, 16:41

Hallo,
noch ein Hinweis, der bei Altersbetimmung nützlich sein kann,
zumindest für die Unterscheidung Vor- gegen Nachkrieg.
Die Vorkriegshörer haben meist/immer Kabel mit Lahnlitze
und Stoffisolation.
Nach dem Krieg wird die Lahnlitze und Stoffumhüllung seltener.
Bei den hier im Thread abgebildeten Kosmos-Hörern haben die
Im ersten beiden im Beitrag von Jürgen Abgebildeten Lahnlitze,
von den Hörern im Bild von ThomasK hat nur der Hörer
rechts die Lahnlitze.
Diese Litze besteht aus einem Textilkern (meist Viskosefaserbündel),
der mit Kupferbändchen (flach gewalzter Draht) umwickelt
bzw. umflochten ist.
Diese Leitungen waren biegsamer und trotzdem bruchsicherer
als die damaligen "normalen" Litzen. Die Post verwendete sie
z. B. noch lange in Handapparateleitungen.
(Siehe Wiki Lahnlitze und Lahnfäden)
Die Enden wurden mit Quetschhülsen versehen, da die Lahnlitzen
neben den Lötstellen leicht abbrachen.

Bild
Hier ein Bild von typischen Enden. Links Steckstifte, wie sie in den 20ern
bis Anfang 30er an Kopfhörerschnüren üblich waren, passend zu allen
Polklemmen und nat. auch zu den Radiomann-Klemmen.
Rechts Enden mit einer einfachen Hülse, dafür gedacht, in
die 4 mm Bananenstecker geklemmt zu werden.

Gruß
Georg
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