OC602 - Beschaffung, Infos u. Versuche

Ideen und Vorschläge zur Beschaffung, zum Nachbau, zum Ersatz oder zur Wiederaufbereitung alter Kästen oder Bauteile

OC602 - Beschaffung, Infos u. Versuche

Ungelesener Beitragvon hgd » 31. Aug 2013, 23:30

Hallo Liste,

(1)
vorletzter und letzter Versuch

in ersteigerten historischen Experimentierkästen ist der OC602 enthalten. Von den 6 Stück, die ich so erhalten hatte, sind zwei zerstört. In beiden ist eine "Diodenstrecke" ein vollkommener Isolator. Einen habe ich aufgekratzt: die Indiumperle des Kollekors sieht aus wie eine kalte Lötstelle, wo der "Operator" vor dem Festwerden des Lots noch einmal gewackelt hatte.

Das liess bei mir alle Hemmungen fallen. An einem dieser zerstörten Exemplare werde ich diese Nacht noch zuerst die Kennlinie der noch intakten "Diodenstrecke" in Durchflussrichtung aufnehmen und danach als letzten Versuch die Kennlinie in Sperrrichtung bis zum Durchbruch und noch ein Stück weiter, aber so vorsichtig wie möglich (mit Vorwiderstand),aufnehmen, damit ich den Zener-Effekt auch messtechnisch detailliert mitbekomme.

(2)
Und dann in den Müll (?)

Das hatte ich vor, aber dann fand ich im Internet Informationen zur Entwicklungsgeschichte des OC602, auf der Suche nach Kennwerten bzw. besser Kennlinien zum OC602 in Sperrichtung für die Diodenstrecken B-C und B-E. Zwar kenne ich die Maximalwerte (für den Zenerversuch Uce,max ca. 22 Volt, das lässt sich mit zwei in Serie geschalteten Labornetzteilen noch hinbekommen. Aber mir fehlen Kennwerte für den Kollektor- bzw. Emitterstrom im Sperrzustand bei 4,5 Volt. Damit ich die gemessenen Werte "meiner" Transistoren werten und vergleichen kann. Die Tabelle werde ich hier später noch posten. Der Vergleich könnte auch Objekt des Feedbacks auf dieses zukunftige Posting sein. Mein Ziel ist, bereits so früh wie möglich die Exemplare zu erkennen, mit denen sich weitere Versuche nicht lohnen. Auf den freiwerdenen Transistor-Brettchen würde ich dann neuwertige OC602 einlöten oder gar nach Ersatztypen suchen (NF-Germanium-Transistoren, keine hochgezüchteten HF-Transistoren). Dazu hierunter noch mehr.

Zu diesem Themenkomplex hätte ich gerne Infos, da außer den Maximalwerten mir Kennlinien und weitere Kennwerte fehlen

Der OC602 ist der erste (oder einer der beiden ersten) Transistor(en) von Telefunken aus dem Jahr 1954. Erstaunlich dass dieser Typ noch Anfang der 60er in Experimentierkästen verbaut wurde. Egal warum, mit diesem Wissen sind auch die beiden zerstörten Exemplare von musealem Wert und kommen in meine Mini-Röhrensammlung, in je einem kleinen 21 mm Plastikdöschen, in dem ich bisher Mineralien sammelte [fällt mir Galenit und Detetor ein].

Also nach dem Zenerversuch werden beide mit allen Ehren im Plastikdöschen gebettet und kommen NICHT in den Restmüll. Das hatte ich vorgestern noch nicht gewusst. Dass ich mal einen Transistor so würde schätzen würde, das hätte ich mir nicht träumen lassen.

(3)
Infoquelle zum OC602

https://sites.google.com/site/transisto ... telefunken

(4)
Dampfblasen in der Siliziumschmiere ?

Von einen der zerstörten hatte ich mit einem Messer den schwarzen Lack abgekratz, wie damals bei mir. Der war auch voll heiss geworden, die Indiumperle des Kollektors hing nur noch mit einem Häutchen am Anschlussdraht, aber er funktionierte noch, sogar bei HF-Versuchen.

Einer meiner Vorgänger hatte es dagegen geschaft, das zerstörerische Tun zum bitteren Ende zu bringen. Mit der Lupe fiel mir an der Innenseite so eine Art Kondenswasser auf, aber nur an der Seite des zerstörten Kollektors. Dann las ich dem Link von oben folgend, dass die Glasröhchen mit "silicon grease" (Siliziumschmiere) gefüllt wurden (darauf war ich als eingefleischter Hochvakuumelektroniker gar nicht gekommen (weil in Elektronenröhren ja keine Schmiere eingefüllt wird :lol: ). Damit handelt es sich bei dem Kondensat auf der Innenseite der Glasröhren vermutlich um Flüssigkeits- oder Dampfblasen.

Auch hierzu hätte ich gerne Eure Meinung eingeholt. Aber eines ist bereits jetzt klar, die Glasröhrchen werden nicht aufgeschnitten!

Vielleicht könnte man da ja optisch mit polarisiertem Licht etwas machen ...

(5)
neuwertige OC602 und Ersatztypen

Da ich meinen OC602 nicht über den Weg traue, zumindest solange nicht, bis die Transistorkennlinien aufgenommen sind, suche ich nach Ersatztypen. Mich überraschte nicht wirklich, die in den älteren Unterlagen genannten Typen nicht mehr lieferbar zu finden. Nach Germanium-Transistoren zu suchen, führt imho auch nur zu HF-Typen, aber nicht zu solchen, welche dem OC602 vergleichbar wären.

Wie häufig führte ein Besuch bei ebay weiter. Hier gibt es Angebote zum OC602, allerdings nicht vom Typ, welcher im Radio + Elektronik verbaut ist, sondern vom "OC602 spec". Bei dem ist innen die Trägerscheibe für das Germanimum-Plättchens verlängert und trägt am Ende einen Zylinder, der vielleicht an der Innenwand des Glaskölbchens anliegt. An dieser Stelle umschließt außen ein Blechstreifen als Kühlkörper das Glasröhrchen. Da ich aber nicht historisch korrekte Kästen sammle, wäre das kein Hinderungsgrund. Eine etwas höhere Belastbarkeit beim OC602 wäre sogar von Vorteil.

(6)
Ausblick

Hätte nicht gedacht, von einem Transistor mal so in Beschlag genommen zu werden. Das war jedenfalls ein unerwarteter und heftiger Nostalgie-Stoß.

Und ich darf wiederholen: an Hinweise zu Kennlinien und Sperrströmen des OC602 bin ich sehr interessiert.

tia
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Hans-Günter
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Re: OC602 - Beschaffung, Infos u. Versuche

Ungelesener Beitragvon PeteS » 1. Sep 2013, 13:18

Hallo Hans-Günter,

mit genau dem was du suchst, kann ich leider nicht dienen. Aber kennst du schon die Seite zum OC602 im Radiomuseum?
http://www.radiomuseum.org/tubes/tube_oc602.html

Dort befinden sich unter anderem zwei interessante Links. Zum einen ein Bericht über die Herstellung dieses Transistors und zum anderen von einem Experimentiergerät für genau diesen Transistor aus einem Telefunken Fachbuch. Natürlich sind auch die wichtigsten Kenndaten aufgelistet. Da ist beispielsweise der Sperrstrom mit 5µA angegeben. Für Mitglieder gibt sogar ein Datenblatt.

Gruß
Pete
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Re: OC602 - Beschaffung, Infos u. Versuche

Ungelesener Beitragvon hgd » 1. Sep 2013, 15:23

Hallo Pete,

vielen Dank für die Info zum Radiomuseum. Ich war zwar dort, als Nicht-Registrierter habe ich aber keinen Zugang zum Datenblatt.

PeteS hat geschrieben:
mit genau dem was du suchst, kann ich leider nicht dienen. Aber kennst du schon die Seite zum OC602 im Radiomuseum? http://www.radiomuseum.org/tubes/tube_oc602.html Da ist beispielsweise der Sperrstrom mit 5µA angegeben. Für Mitglieder gibt sogar ein Datenblatt.


Dese Info: "Sperrstrom mit 5µA" bringt mich einen großen Schritt weiter, damit weiss ich, vermutet hatte ich es bereits, dass noch weitere OC602 nicht mehr OK sind.

Wenn ich mit den Kennlinien fertig bin, poste ich dies hier.

Ich wünsche Dir einen guten Wochenanfang
Gruß
Hans-Günter
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Re: OC602 - Beschaffung, Infos u. Versuche

Ungelesener Beitragvon OC601 » 4. Mai 2014, 20:46

Hallo

Hans-Günter,

wenn noch Bedarf am OC602 besteht, ich habe noch ca. 40 Stück OC602 NOS,
auch die org. Datenblätter von Telefunken (9* A5), könnte ich als pdf Datei
verschicken. Auch habe ich viele OC und AC Typen von Telefunken.
Bei Bedarf einfach melden !

Gruß
Siegfried
OC601
 

Re: OC602 - Beschaffung, Infos u. Versuche

Ungelesener Beitragvon hgd » 11. Mai 2014, 23:25

Hallo Siegfried,

vielen Dank fürs Angebot. Im mom habe ich allerdings keinen Bedarf mehr. Ich packe Deine Info in meine "Datenbank".

Gute Woche
Gruß
Hans-Günter
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