Nachbau Induktorspule Baukasten Radio 1. Auflage

Alte Kästen - Versuche nachgebaut und neue Ideen

Nachbau Induktorspule Baukasten Radio 1. Auflage

Ungelesener Beitragvon ThomasK » 3. Jun 2013, 21:10

Hallo Zusammen,

immer wieder angeregt durch Horsts tolle Arbeiten habe ich mich auch mal wieder an ein, zunächst kleines, Projekt getraut. Da ich leider nicht die gleichen technischen Möglichkeiten wie Horst habe und mehr "zu Fuß" machen muss, wollte ich es hier mal vorstellen, um vielleicht auch andere zu animieren.

Mich hat schon immer der Drei-Röhren-Apparat des Baukasten Radio der 1. Auflage interessiert. Ein erstes Mustergrundbrett aus Abfallholz habe ich schon hergestellt und werde damit mal die Bohrungsanordnung testen. Hier soll es aber zunächst um etwas anderes gehen: Die Induktorspule.
Diese Spule hatte zwei Verwendungen: Zum Einen war sie Hochspannungstransformator für die für mich ebenfalls interessanten Hochspannungsversuche, zum anderen war sie NF-Trafo für die Versuche mit NF-Verstärkung, also auch den Drei-Lampen-Apparat. Letzteres war mit der kleineren Spule des Baukasten Radio der 2. Auflage auch noch möglich. Für die Hochspannungsversuche wurde jedoch zusätzlich der Kosmos Funkeninduktor notwendig, der heute in der Regel (wie andere alte Funkeninduktoren auch) für ca. 150,-€ gehandelt wird. Aus diesem Grund werde ich hier mal den Versuch eines Nachbaus dokumentieren.

Da mir keine Spule vorliegt und ich auch niemanden kenne, der eine hat, versuchte ich anhand von Bildern (Dank an Jürgen) die Maße abzuschätzen und danach zu fertigen. Andererseits versuche ich vorhandenes Material zu verwenden, wodurch es auch zu kleinen Abweichungen kommen kann.
Leider steht mir keine Drechselbank zur Verfügung, so dass ich die Spule aus Einzelteilen zusammenleime.


Bild
Die Endbrettchen bestehen aus Buche 40mm x 40mm x 7mm (Restmaterial, orginal wahrscheinlich eher 8mm).Sie habe eine 10mm Bohrung erhalten (Original möglicherweise 11mm) und wurden auf der Rückseite ca. 3mm tief mit einem Durchmesser von 18mm ausgefräst. Für letzteres war nur eine halbwegs gute Standbohrmaschine (wie für die Löcher auch) und ein kleiner Fräskopf notwendig, wie man ihn für Dremel, Minicraft und Proxxon bekommt. Somit weiß ich nun, dass mir ein Nachbau der Elektromann-Spule auf diese Weise auch gelingen wird.
Ergänzt wurden noch Löcher für die Anschlüsse. Ich habe hier sogar 3mm-Gewinde eingeschnitten. Später drehe ich da Gewindestangenabschnitte rein, die zusätzlich noch verklebt werden. Da die Anschlussmuttern nur mit den Fingern angezogen werden, sollte das ausreichen.


Bild
Für das Mittelstück habe ich einfach einen 18mm Buchenholzstab aus dem Baumarkt bemüht. Ich war mir nicht sicher, ob der eine axiale Bohrung von 10mm aushalten würde. Wie man sieht war es tatsächlich dank der Standbohrmaschine kein Problem. So bleibt noch eine Restwandstärke von 4mm, womit ich sogar Horst unterbieten konnte. ;-)


Bild
So sieht das Ganze nun derzeit locker zusammengesetzt aus, morgen wird geleimt.

So, das war's fürs Erste. Ich werde Euch über die weiteren Fortschritte auf dem Laufenden halten.

Gruß,
Thomas
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Re: Nachbau Induktorspule Baukasten Radio 1. Auflage

Ungelesener Beitragvon Georg » 3. Jun 2013, 22:20

Hallo Thomas,
klassisch hat man bei Induktorien als Kernrohr zuerst Hartgummirohre
verwendet, bei kleineren, vor allem solchen Bastlergeräten verwendete
man ein Rohr aus Pappe., evtl mit Nitrolack "gehärtet".
Eine andere Methode war, das Eisendrahtbündel in den Endplatten zu verkeilen
und mit einigen Lagen geölten oder wachsgetränkter Pappe zu umwickeln.
Mein Kosmsos-Induktorium (das kleine) hat eine Röhre von ca 1 mm Wandstärke
aus vermutlich Pertinax.
Deine recht große Wandstärke zwischen Kern und unterster Wicklungslage ist nun
nicht sehr schlimm, es bedingt halt eine gewisse Streuinduktivität.
Hast du einen Anhalt für das Übersetzungsverhältnis?
Gruß
Georg
PS
Eine derart lange axiale Bohrung ohne Drehbank hätte
ich nicht für möglich gehalten.
Georg
 
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Re: Nachbau Induktorspule Baukasten Radio 1. Auflage

Ungelesener Beitragvon buedes » 3. Jun 2013, 22:31

Hallo Thomas,

saubere Holzarbeit!
Und gut dokumentiert, weiter so!

:thumb:

Gruß, Horst
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Re: Nachbau Induktorspule Baukasten Radio 1. Auflage

Ungelesener Beitragvon ThomasK » 11. Jun 2013, 17:35

Hallo Zusammen,

zunächst einmal danke für die Hinweise und Ermunterungen. Für mich sah es im Übrigen auf Bildern auch mal ab und an so aus, als wenn die Spule aus zwei dicken Hartpapierscheiben und möglicherweise einer anderen Rolle besteht. Ich konnte mich da nur nach meiner Spule der zweiten Auflage richten, die den gleichen Spulenkörper wie die im alten Elektromann bzw. den Baukästen Elektro hat.

Weil Zeit momentan bei mir leider nicht so üppig ist, hier nur mal ein Bild des geleimten und geschwärzten Spulenkörpers:
Bild

Da es jetzt um das Wickeln geht, habe ich gleich mal ein paar Fragen ans Forum.
Von der originalen Spule ist mir aus der Anleitung nur bekannt: "Wir verwenden die gesamte Sekundärwicklung der Induktorspule E, die nicht weniger als 30.000 Wicklungen hat." Mehr konnte ich dazu leider nicht finden.
Da die zwei Sekundärspulen für die Radioversuche ja auch als NF-Trafo dienen, würde ich das Verhältnis des Trafos des Baukasten der 2. Auflage, nämlich 1:5, verwenden wollen. Somit würden sich zwei Sekundärspulen mit 5.000 und mit 25.000 Wicklungen ergeben. Soweit so gut!

Jetzt stellen sich mir folgende Fragen, bei denen ich um Unterstützung bitte:
Wieviele Wicklungen sollte ich für die Primärwicklung verwenden bzw. welches Übersetzu ngsverhältnis sollte ich für die Primärspule zu der gesamten Sekundärspule verwenden? 0,7mm oder 1,0mm-CuL-Draht für die Primärspule? Betrieb ist nur mit einem 4,5V-Block geplant. Die Sekundärwicklung wollte ich in 0,1mm CuLL-Draht ausführen und die Lagen mit parrafiniertem Seidenpapier gegeneinander isolieren.
Muss ich an den Stellen, an denen die Drähte zu den Spulenanschlüssen geführt werden, eine besondere Isolierung vorsehen? Bei der originalen Spule sind an den Außenseiten keine Drähte erkennbar.

Ich habe die folgende Anleitung gefunden, die möglichererweise hilfreich sein kann und auch einen Kosmos-ähnlichen Nachbau darstellt:
http://www.jogis-roehrenbude.de/Roehren ... uktors.htm

So, ich bin für jeden Tipp dankbar, der mich zu einer funktionalen Spule auf gezeigtem Spulkörper bringt, auch wenn er dann vom Original abweicht (Windungsanzahl o.ä.).

Gruß,
Thomas
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Re: Nachbau Induktorspule Baukasten Radio 1. Auflage

Ungelesener Beitragvon Georg » 11. Jun 2013, 19:34

Hallo Thomas,
wird irgendwo im Text die Schlagweite des Induktoriums genannt?
Gängige Übersetzungen liegen bei 1 : 50 bis 1 : 100 .
Hast du eine Wickelvorrichtung?
30 000 Windungen sind eine Arbeit schlimmer als Tütenkleben.
Du brauchtst auf jeden Fall eine Vorrichtung, und sei es nur
um die Arbeit mal unterbrechen zu können :=(
Gruß
Georg
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Re: Nachbau Induktorspule Baukasten Radio 1. Auflage

Ungelesener Beitragvon FrankR » 12. Jul 2013, 22:27

Hallo Thomas, arbeitest Du noch am Funkeninduktor?
Oder bist Du irgendwo bei der 12-tausendsten Sekundärwicklung steckengeblieben?

Den Link zur Seite von Jogis-Röhrenbude ist sehr interessant, die sich zum Bau des
Funkeninduktors ja an Richters Buch "Elektrotechnik für Jungen" orientiert.
Das hat mich dazu gebracht mir dieses Buch zuzulegen.
Leider habe ich die 13. Auflage von 1982 erwischt (völlig neu überarbeitet!) und
nicht die auf der Seite erwähnte Ausgabe von 1957 ...
Von den alten Versuchen und Bastelanleitungen scheint darin aber fast nichts mehr vorhanden zu sein -
auf jeden Fall ist keine Bastelanleitung für den Funkeninduktor mehr enthalten!

Weiss jemand ab welcher Auflage der Funkeninduktor nicht mehr behandelt wurde?
Was kann der Grund sein? Gelten derartige Versuche heutzutage auch schon als zu gefährlich für Jugendliche?

Die mir vorliegende 13. Auflage ist meiner Meinung nach völlig uninteressant!
Sie enthält mehr Wissensvermittlung als Bastelvorschläge.
Und das in einer Form, wie sie in vielen anderen Büchern/Darstellungen auch zu finden ist -
leider ein kompletter Fehlkauf!

Ich würde mich aber freuen, wenn ich weiterhin verfolgen könnte, wie Du mit Deiner Arbeit voran kommst, Thomas!

Gruß
Frank
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Re: Nachbau Induktorspule Baukasten Radio 1. Auflage

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 13. Jul 2013, 17:05

Ab wann eine Bauanleitung für den Funkeninduktor nicht mehr im Buch "Elektrotechnik für Jungen" stand, kann ich leider nicht sagen. Meine 10. , "weitgehend modernisierte" (Originaltext) Auflage von 1970 enthält - neben dem Funkeninduktor (allerdings mit anderem als in Jogis Röhrenbude nachzulesenden Text) - folgende Nachbauanleitungen:

    - Leitungsprüfer
    - KOSMOS-Schalttafel (Netzteil)
    - Drehwiderstand
    - Bimetall-Umschalter
    - Elektrosäge ("Dekupiersäge")
    - Elektromotor ( mit selbst herzustellendem 3-T-Anker!) nebst Netz-Steuergerät
    - Läutewerk
    - Morsetelegraf
    - Bandgenerator
    - Teslatrafo

und mit Transistoren:

    - Gegensprechanlage
    - Mikrofonverstärker
    - Verstärker (Endstufe)
    - Lichtschranke
    - Elektrisiergerät
    - Spannungswandler

Die 10. Auflage enthält übrigens noch Fotos einer nachzubauenden Bogenlampe. Eine Bauanleitung gibt es jetzt indes nicht mehr. Heinz Richter schrieb dazu: "Indessen kann man heute Glühlampen mit so großer Lichtstärke bauen, daß die Bogenlampe in der Praxis keine Bedeutung mehr hat. Wir verzichten daher auf eine genaue Beschreibung ..." Im gleichen Text heißt es: "Bei Verwendung des normalen Lichtnetzes (Vorsicht: Lebensgefahr :teufel: ) ist ein besonderer Vorschaltwiderstand nötig, der den überflüssigen Teil der Spannung vernichtet. Soll beispielsweise eine Lampe für 5 Ampere und 50 Volt an eine 220-Volt-Lichtleitung angeschlossen werden, so müssen 220 - 50 = 170 Volt vernichtet werden. Es ist daher ein Widerstand von 170:5 = 34 Ohm erforderlich. ...

Wer nachrechnet: das sind 850 VA, die der Widerstand für die 250-Watt-Bogenlampe "vernichten" muss. Wohl ein Versuch eher für kalte Winterabende. :lol:

Nachdem Heinz Richter 1971 verstarb, hat Karl Datz das Buch, an dem er laut Vorwort von Heinz Richter schon seit Beginn beteiligt war, weiter betreut. Zitat aus der 10. Auflage von 1970: "Herr Datz hat die Geräte, die Zeichnungen und das Rohmanuskript der Baubeschreibungen nach eigenen Ideen entworfen und hergestellt."

Die 11. Auflage datiert von 1975, die 13. Auflage trägt den Hinweis "nach der 11. Auflage völlig neu bearbeitet". Das Ende der zumindest teilweise recht anspruchsvollen Selbstbauversuche ging vermutlich auch damit einher, dass man in späteren Zeiten nicht mehr so einfach an die benötigten Rohmaterialien kam und damit, dass praktische Versuche viel schneller z.B. mit dem "Elektromann" ausgeführt werden konnten.

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