Kleiner Mittelwellen-Prüfsender

Hier gibt es Fachwissen auch ohne Experimentierkästen

Kleiner Mittelwellen-Prüfsender

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 18. Mär 2013, 22:17

Dies ist natürlich kein genaues Messgerät!

Aber wer mit einfachen Mitteln prüfen möchte, ob seine selbst gewickelte MW-Spule des Selbstbau-Empfängers im Zusammenhang mit dem Drehko so einigermaßen die richtige Frequenz erreicht - also ca. 540 - 1600 kHz bei MW - kann das mit sehr wenigen Bauteilen machen.

Der MHS-Experimentierkasten der 60er Jahre - hier bei uns vorgestellt: http://www.experimentierkasten-board.de/viewtopic.php?f=30&t=33 widmet sich neben MW/LW-Empfängern u.a. auch in mehreren Versuchen dem Thema HF-Generatoren. Damals war in der DDR im Langwellenbereich eine Frequenz von 135 kHz für Experimente freigegeben. Der Versuch Nr. 30 betrifft einen tonmodulierten Prüfgenerator. Mit nur einem einzigen Germanium-pnp-Transistor. Versorgungsspannung: 4,5 V.

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Der Kasten hat neben einer MW-Spule auch eine LW-Spule. Zusammen mit einem Festkondensator von 330 pF im Schwingkreis erreicht man die damals zulässige LW-Frequenz.

Nimmt man statt der LW-Spule die MW-Spule und ersetzt den Festkondensator durch den zur Spule passenden Drehkondensator, kann man den gesamten MW-Bereich abdecken und den Drehko auch "eichen". Zumindest bei dem (mit dem Trimmwiderstand einstellbaren) Schwingungseinsatz ohne Ton ist die Frequenzmarke recht exakt. Die Eichung: Einfach den Prüfsender einschalten und die jeweilige Frequenz auf der Skala eines kommerziellen MW-Radios vergleichen.

Den Aufbau habe ich heute mal nach Jahrzehnten auf die Schnelle und ohne Blick auf Schönheit wieder nachgebaut (das Prinzip des MHS-Kastens ist ähnlich wie bei Philips - es wird mit Papierschablonen auf der Grundplatte verdrahtet): Funktioniert prächtig.

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Und nun nach Umpolen von + und - und mit einem Si-npn-Transistor aus dem KOSMOS XG: Auch gut! Also: Pfennigartikel BC237, BC547 und zahllose andere Typen verwendbar.

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Vom Prinzip her dürfte sich der Prüfsender mit allen Experimentierkästen nachbauen lassen, die eine MW-Spule mit Drehko und auf dem Spulenkörper eine zweite Spule (z.B. für Antennenankopplung) haben. Der KOSMOS XG mit seiner Spule L schreit geradezu danach. Im Mustergerät hat die Schwingkreisspule mit Eisenkern übrigens 108 Windungen, die Ankoppelspule 40 Windungen. HF-Litze, aber Volldraht sollt auch gehen. Schwingt der Sender nicht: einfach die Anschlüsse von L1 oder L2 umpolen. Und die Dimensionierung der anderen Bauteile sollte auch nicht schwierig sein: Statt 20 nF nimmt man 22 nF, der Widerstand von 5,1 kOhm dürfte auch durch 4,7 kOhm ersetzbar sein und der 2,5-kOhm-Trimmer erscheint auch unkritisch. Wichtig allerdings: ein alter 2000-Ohm-Kopfhörer wegen der erforderlichen Induktivität (ca. 1Hy). Man kann da aber auch mit Primärwicklungen kleiner Steckernetzteil-Trafos experimentieren (?).

Wie gesagt: wer es genau haben will, beschafft sich einen (gebrauchten) Prüf- oder Meßsender. Der ist heutzutage bei ebay immer mal günstig zu bekommen. Aber mit so wenig Bauteilen wie mit der MHS-Schaltung kann man auch ein Erfolgserlebnis haben…

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Re: Kleiner Mittelwellen-Prüfsender

Ungelesener Beitragvon Kosmonaut » 18. Mär 2013, 23:20

im XG ist doch so ein Versuch beschrieben? Es sollen schon Leute ihren eigenen Mittelwellensender betrieben haben. :-)

Vor 40 Jahren und damit längst verjährt, haben Schulfreunde ihren Philips EE1005 Aufbau zur Energieübertragung zum LW-Sender umgebaut und immerhin ca. 100m Reichweite erzielen können. Die Kinder waren echt begeistert. Nur gut, daß der "Gilb" sie nicht erwischte. :lol:
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Re: Kleiner Mittelwellen-Prüfsender

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 18. Mär 2013, 23:56

Kosmonaut hat geschrieben:im XG ist doch so ein Versuch beschrieben?

klar, den habe ich vor über 4 Jahrzehnten mit dem XG auch gebaut. ;-)

Der XG-Sender ist aber nicht so einfach reproduzierbar, weil man für die Tonmodulation neben einen weiteren Transistor (na ja...) den speziellen XG-Transformator benötigt. Beim XS geht die Modulations-Ankoppelung zwar ohne Trafo, aber dafür muss man sich für die Modulation noch zusätzlich einen NF-Generator einfallen lassen. Da liegt der Hase im Pfeffer.

Es ist einfach nur ein nettes, aber funktionstüchtiges Projekt mit absolut minimalem Aufwand. Und es macht Freude, wenn es funktioniert. Klar: wer erst den Kopfhörer teuer kaufen muss, ist angeschmiert.

Wenn man etwas mehr haben möchte: kürzlich habe ich mir per ebay einen Frequenzgenerator AD9851 für rund 31 Euro incl. Porto aus Hongkong beschafft. Der ist auch unmoduliert, aber bis 50 MHz in 1-Hz-Schritten einstellbar. Beispielsweise hier: http://www.ebay.de/itm/AD9851-DDS-Funct ... 2c6ca09750

Den nehme ich - zusammen mit dem XG/XS...-Labor mit in den nächsten Urlaub - die kleine Platine nimmt ja keinen Platz weg. :lol_1:

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Re: Kleiner Mittelwellen-Prüfsender

Ungelesener Beitragvon Kosmonaut » 19. Mär 2013, 16:11

JuergenK hat geschrieben:Klar: wer erst den Kopfhörer teuer kaufen muss, ist angeschmiert.


Es müßte doch eine beliebige Induktivität geeigneter Größe reichen, z.B. die Primärwicklung eines kleinen Trafos? Oder der hochohmige Ohrhörer aus dem XN3000? Eventuell müßte man die Kondensatoren anpassen, aber das wären Pfennigartikel aus der Bastelkiste.
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Re: Kleiner Mittelwellen-Prüfsender

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 19. Mär 2013, 16:58

Kosmonaut hat geschrieben:...z.B. die Primärwicklung eines kleinen Trafos?


Genau, soeben habe ich das mit zwei beliebigen Steckernetzteilen (ca. 5-6 VA) ausprobiert: das funktioniert auf Anhieb. Etwas andere Tonhöhe, die aber ohnehindurch den Trimmwiderstand in gewissen Grenzen geregelt werden kann. Mit dem XN3000-Ohrhörer geht es ebenfalls, dessen Induktivität ist kleiner, der Ton daher höher - also notfalls zwei größere Kondensatoren verwenden. Jedenfalls ist es eine dankbare Schaltung... :razz:

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Re: Kleiner Mittelwellen-Prüfsender

Ungelesener Beitragvon JuergenK » 20. Mär 2013, 12:55

Hier, erneut zur Verdeutlichung, wie unkompliziert der kleine Prüfsender aufgebaut werden kann, Bilder des funktionierenden Gerätes mit der MW-Spule L aus dem KOSMOS XG und dem MW-Modul aus dem X1000:

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Re: Kleiner Mittelwellen-Prüfsender

Ungelesener Beitragvon Kosmonaut » 31. Mär 2013, 17:44

Ich habe die Schaltung mit dem XN3000 nachgebaut. Normales MW-Modul, Ohrhörer und pnp-Transistor BC558. Hast Du das Signal oszillographiert? Ich kann entweder eine saubere Hf-Schwingung erzeugen, wenn ich das Poti nur wenig aufdrehe (unmoduliertes Signal), oder eine saubere Nf-Schwingung, wenn ich die Hf-Spule im Collectorkreis kurzschließe, aber kein sauber moduliertes Hf-Signal. Um ein moduliertes Signal zu erzeugen, muß ich das Poti weiter aufdrehen und die Hüllkurve ist extrem verzerrt. Man kann zwar im Radio einen Piepston hören, aber es klingt nicht schön. Ist das Ergebnis im Originalzustand (Germanium Hf-Transistor, Originalspule und Hörer) besser? Vielleicht stimmt der Kopplungsgrad (Windungsverhältnis) dex XN-Moduls nicht. Oder ist das prinzipbedingt?

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